Beste Meyhane Istanbul: 16 Lokale für den Rakı-Abend

Ein Tisch voller Meze, ein Glas Rakı, ein Lokal, in dem die Geschichten der letzten hundert Jahre förmlich aus den Wänden sickern: Das ist die türkische Meyhane. Wer in Istanbul nach „beste Meyhane Istanbul“ sucht, findet eine Auswahl von der rustikalen Bosporus-Terrasse bis zur eleganten Adresse in Beyoğlu. Hier sind 16 Lokale, in denen du die Stadt bei Rakı und Musik von ihrer ehrlichsten Seite erlebst.
1. Suna’nın Yeri: Rakı mit Blick auf den Bosporus

Direkt neben der Fähranlegestelle Kandilli, auf der asiatischen Seite des Bosporus, liegt dieses schlichte Lokal. Dekor? Spielt hier keine Rolle: ein paar Tische und Stühle, dicht am Wasser aufgestellt, das war’s. Wer mit Freunden quatschen und dabei aufs Meer schauen will, ist genau richtig. Wer kulinarische Höhenflüge erwartet, sollte woanders hin.
Satt essen lohnt sich vorher, die Fava (ein Bohnenpüree), die Auberginencreme, der Tintenfisch und der gebratene Weißfisch sind solide Begleiter zum Rakı, der hier aus ungewöhnlichen Gläsern serviert wird statt direkt aus der Flasche – warum, ist bis heute unklar.
2. Refik: Asmalımescit-Klassiker mit Pressewand

Refik gehört zu den festen Größen in Asmalımescit, dem Ausgehviertel rund um die Istiklal-Straße. Die Stammgäste? Kunst und Medien. Das Lokal gibt sich Mühe, diesem Ruf mit Küche und Service gerecht zu werden, und für die Gegend gelten die Preise als fair, wobei „für die Gegend“ hier das entscheidende Wort ist, denn billig ist in Asmalımescit kaum etwas. Probieren solltest du den Lakerda (in Salz gereiften Thunfisch), die Garnelen aus dem Tontopf, die gefüllten Weinblätter und die gebratene Lammleber. Unter der Woche klappt es meist spontan mit einem Platz. Am Wochenende lieber reservieren.
Die Wände sind voller gerahmter Zeitungsausschnitte und Fotos früherer Gäste – ein kleines Museum der eigenen Geschichte.
3. Madam Despina: Patina seit 1946

In einer Seitenstraße von Kurtuluş, einem ruhigen Wohnviertel mit großer griechischer und armenischer Geschichte, führte Madam Despina dieses Lokal ab 1946. Tischdecken, Teller, Holzfensterläden: alles schreit Geschichte. Preis und Küche halten hier nicht ganz Schritt. Für das Niveau der Meze fällt die Rechnung eher hoch aus, und die herumziehenden Musiker erwarten am Tisch durchaus eine Gabe. Dafür lässt es sich im Sommer unter Weinlaub sitzen, im Winter in der warmen Stube, und der Service ist angenehm zügig.
4. Münferit: Modern, laut gefragt, früh reservieren

Wer mit größerer Gruppe kommen will, ruft hier am besten einen Monat vorher an. Keine Übertreibung. Münferit ist derzeit eines der gefragtesten Lokale der Stadt, und auf dem Weg von der Galatasaray-Schule hinunter nach Tophane erkennst du es sofort: schick, modern und trotzdem klar als Meyhane erkennbar. Hier läuft auch mal internationale Musik statt des üblichen türkischen Repertoires. Puristen diskutieren darüber. Es funktioniert trotzdem. Auf der Karte stehen Humus mit Garnelen, frittierte Aubergine mit Tahin-Soße, Entenbrust-Çerkez-Hühnchen und mit Trüffelöl gebackener Weißkäse.
Günstig ist das alles nicht, und daran wird sich vorerst nichts ändern.
5. Yakup 2: Grüner Garten, Presseclub-Flair

Zurück in Asmalımescit, diesmal zu einem Lokal, in dem traditionell viele Journalisten verkehren. Der Garten mit viel Grün ist der eigentliche Star, auch wenn seine Nähe zur Straße fliegende Blumenverkäufer und Straßenmusiker anlockt, die durchaus auf Trinkgeld hoffen. Im Winter gibt es eine Terrasse für Raucher. Bestellen solltest du gebratenen Fisch wie Marmara-Meeräsche oder Rotbarbe, mariniertes Weißfisch-Filet, Oktopus, eingelegte Sardellen und weiße Bohnen in Olivenöl; die Meze kommen hier erfreulich großzügig bemessen, du wirst tatsächlich satt. Zum Abschluss gehört Helva aus dem Ofen mit türkischem Kaffee dazu. Das Publikum ist im Schnitt eher älter. Wer junges Publikum sucht, wird woanders eher fündig.
6. Asmalı Cavit: Theaterplakate statt Touristenmassen

Direkt gegenüber von Yakup 2, nur ohne Garten, dafür mit ein paar kleinen Balkonen. Auch das Publikum könnte kaum verschiedener sein: Drüben bei Yakup 2 sitzen Journalisten und eher ältere Stammgäste, hier dagegen kaum türkische Gäste, sondern vor allem internationale Besucher, die tagsüber noch in Sultanahmet fotografiert haben und abends hier landen. Aufdringliche Straßenmusiker gibt es im Gegensatz zu anderen Lokalen nicht, dafür an den Wänden zahlreiche Theaterplakate und Poster zum Betrachten. Eine Reservierung ist praktisch Pflicht. Bei den Meze lohnen sich gebratener Weißfisch, Oktopus-Salat, geschmorter Mangold und die scharfe Hauspaste zum Rakı; danach kommen Leber und Tintenfisch gut an, auch gebackene Kutteln im Tontopf gehören zur Karte.
Der Garten fehlt, aber bei Fisch und Meze spielt Asmalı Cavit vorne mit.
7. Zarifi: levantinische Küche mitten in Beyoğlu

Ein Lokal mit Bosporus-Flair, nur eben mitten zwischen den Häuserblocks von Beyoğlu – klingt widersprüchlich, funktioniert aber überraschend gut. Service und Ambiente stimmen. Die Küche vereint armenische, griechische, jüdische, arabische und levantinische Rezepte. Empfehlenswert sind in Honig geschmorte Aubergine, Joghurt mit Kräutern, Bohnen-Fava, Zucchini-Puffer mit Fisch und gegrilltes Barschfilet. Wer nach dem Essen noch Unterhaltung sucht, sollte den Kalender prüfen: An ausgewählten Abenden treten hier Sängerinnen und Tänzerinnen zu Balkanmusik auf, die auch zögerliche Gäste von ihren Stühlen holen.
Ein garantiert geselliger Abend.
8. Akın Balık: schöne Atmosphäre, schwankendes Niveau

In den ersten Jahren war Akın Balık für viele der heiße Tipp: schlichter Garten, Rakı aus Teegläsern, gute Meze und eine Aussicht, die man so schnell nirgendwo wiederfindet. Dann kam der Erfolg. Mit ihm stiegen die Preise, während der Service nach Erfahrungsberichten langsamer wurde. Schade eigentlich, denn die Atmosphäre unter den Bäumen, mit den kleinen Tischen und bunten Lichtern, ist nach wie vor besonders. Da sich Berichte zu aktuellen Preisen und Wartezeiten widersprechen, lohnt sich vorab ein kurzer Blick auf aktuelle Bewertungen.
9. Tarihi Cumhuriyet Meyhanesi: Fischmarkt-Klassiker

Ein Klassiker in der Nähe von Nevizade, der engen Gassen voller Fischrestaurants direkt neben dem Fischmarkt. Die Stammkundschaft ist seit Jahren dieselbe, das Essen schmeckt, die Stimmung passt. Einziger Wermutstropfen, und ehrlich gesagt ein ziemlich nerviger: Musiker, die lautstark Trinkgeld einfordern. Sonst stimmt hier fast alles. Gefüllte Weinblätter, Käsepaste, das gefüllte Blätterteiggebäck Paçanga böreği, geschmorter Mangold mit Pilzen und Kaşar-Käse sowie Muschel-Pilaki gehören zu den Favoriten.
10. Çukur Meyhane: Kellergewölbe mit Fenstern

Mitten im Herzen von Taksim, im Kellergeschoss eines Hauses. Keine Sorge: Fenster gibt es trotzdem. Wer das Lokal kennt, schwört darauf, auch wenn es etwas versteckt liegt. Fast 30 verschiedene Meze stehen zur Auswahl, alle in guter Qualität – in diesem Umfang findet man das selten, und Kreta-Paste, kroatische Creme, Makrele mit Senfsoße, Auberginen-Humus, Weißfisch-Spieß mit Sojasoße und Fischbällchen sind allesamt einen Versuch wert. Die Preise sind moderat. Das Publikum ist bunt gemischt, von Konsulatsmitarbeitern über internationale Lehrkräfte bis zu Feinschmeckern aus der ganzen Stadt. Wegen der Nachfrage lieber vorher reservieren.
11. İnciraltı: Meyhane-Tradition in Beylerbeyi

Weg von Taksim und Beyoğlu, hinüber nach Beylerbeyi, einem ruhigen Bosporus-Viertel auf der asiatischen Seite. İnciraltı hält hier die alte Meyhane-Tradition über die Meze lebendig. Topik (eine kalte Kichererbsen-Zwiebel-Paste), eingelegter Fisch, Weißfisch im Weinblatt, mit Muscheln gefüllte Kohlrouladen, Fischbällchen in Hausart, Walnuss-Paprika-Paste und armenische Oliven-Pilaki eröffnen neue Geschmacksrichtungen für alle, die glauben, schon alles probiert zu haben. Zum türkischen Kaffee gibt es hier passend einen Likör. Dazu Helva mit geschmolzener Zartbitterschokolade, bei der man schwer aufhören kann. Am schönsten ist ein Besuch, wenn der Garten gerade in voller Blüte steht.
12. Kör Agop: seit 1938 in Kumkapı

Noch ein Haus mit echter Geschichte. 1938 gegründet, ist es bis heute eine der bekanntesten Adressen in Kumkapı, dem Fischerviertel an der Altstadt-Küste. Holzvertäfelte Wände und alte Möbel geben dem Raum fast Wohnzimmer-Charakter, genau der richtige Rahmen für lange Gespräche. Notieren solltest du die würzige Fischsuppe, geschmorte Lunge, warme weiße Bohnen, Topik, gedünsteten Fisch, Oktopus und Lakerda. An manchen Abenden spielt eine Fasıl-Kapelle live klassische Istanbuler Musik. Wer den Abend bis zur letzten Runde auskosten will, sitzt hier am richtigen Tisch.
13. Safa: Geschichte seit über hundert Jahren
Yedikule, am südlichen Rand der historischen Altstadtmauern, ist keine Gegend, in der neue Lokale aus dem Boden schießen. Safa ist eine der Ausnahmen. Seit über hundert Jahren hat das Lokal Bestand, bekannt ist es auch als Drehort für klassische türkische Filmszenen. Schwarze Lederstühle, ein auffälliger Kerzenleuchter und Dutzende Rakı-Flaschen an den Wänden erzählen die Geschichte mit. An der Wand steht ein Spruch über das Rakı-Glas, das sich jeden Abend neu füllt und leert, Sinnbild für Erinnerung und Wiederholung zugleich. Zum Rakı passen albanische Leber, Dörrmakrele, Sellerie, dicke Bohnen, knusprige Häppchen und Tintenfisch, während aus dem Radio klassische türkische Unterhaltungsmusik läuft.
Ein Umweg hierher lohnt sich fast immer.
14. Safi: minimalistisch in Şişhane

Nach Münferit die zweite moderne Meyhane auf dieser Liste. Safi liegt in Şişhane, nicht weit vom Galataturm, und setzt auf Weiß und Blau statt auf dunkles Holz. Schwarz-weiße Fotografien an den Wänden, viel Licht statt gedämpfter Beleuchtung, keine laute Musik. Wer es ruhiger mag, ist hier richtig. Auf der Karte stehen gefüllte Teigtaschen vom Spieß, Fischpäckchen im Blätterteig, mit Rakı und Orange marinierter Weißfisch, Rindswange und mit Sauerkirschen gefüllte Weinblätter – Gerichte, die man nicht überall findet.
15. Eleos: weißes Design, hohe Preise

Eine weiße Meyhane mitten in Beyoğlu. Konsequent schlicht, elegant, aufgeräumt. Küche, Service, Ausblick, Präsentation und kleine Aufmerksamkeiten zwischendurch passen hier zusammen, und wie vielseitig die Karte ist, zeigen Kürbisblüten-Füllung, Spargel mit Lachs im Weinblatt, Fetakäse aus dem Tontopf, römische Bohnenpaste, Rucola-Salat nach Dorfart und Fisch-Pastırma. Ein Schnäppchen ist das nicht. Für Essen, Trinken und Ausblick darf man das aber durchaus in Kauf nehmen.
16. Sofyalı 9: 15 Jahre Tradition in Asmalımescit

Benannt nach der Straße, in der es liegt, besteht Sofyalı 9 seit rund 15 Jahren und hat sich inzwischen neben die alten Häuser von Asmalımescit gestellt. Köpoğlu (Auberginen-Joghurt-Paste), Walnuss-Meze, eingesalzene Sardellen, Topik, panierte Sardinen und gebratenes Rindfleisch zählen zu den Gerichten, die man probieren sollte. Von den Meze zum Hauptgang zu kommen fällt hier schwer. Es lohnt sich trotzdem. Mal läuft türkische Kunstmusik, mal griechische Melodien im Hintergrund – ideal für besondere Anlässe, Feiern und Abschiede. Braune Töne dominieren wie in vielen Meyhanes, aber der Raum wirkt heller und offener als die meisten.
Gut zu wissen, bevor du losziehst: Rakı wird in der Türkei traditionell mit Wasser verdünnt und zu kaltem Wasser getrunken, dazu Meze in kleinen Portionen, aus denen sich nach und nach ein ganzes Abendessen zusammensetzt. Anders als oft angenommen, zeigt sich die Qualität einer Meyhane weniger am Hauptgang als an der Sorgfalt bei den kalten Meze. Weil sich die Istanbuler Gastroszene schnell verändert, lohnt vor dem Besuch ein Abgleich mit aktuellen Übersichten: Der Michelin Guide Türkiye bewertet seit 2022 auch Istanbuler Restaurants, und das Stadtmagazin Time Out Istanbul stellt regelmäßig neue Adressen vor.
Quellen: Michelin Guide Türkiye, Time Out Istanbul
Beste Meyhane Istanbul: häufige Fragen
Was ist eine Meyhane genau? Eine Meyhane ist eine traditionelle türkische Taverne, in der Rakı und kalte wie warme Meze im Mittelpunkt stehen, oft begleitet von Live-Musik oder zumindest einer Musikbox mit türkischen Klassikern.
Ist Döner in einer Meyhane zu finden? Nein, Döner gehört nicht zur Meyhane-Küche, das ist eher Imbisskost. Und selbst dort unterscheidet sich der Istanbuler Döner spürbar von dem, was in Deutschland unter diesem Namen verkauft wird: dünneres Fleisch vom Spieß, meist ohne Soße, dafür mit Lavaş-Brot statt Dürüm.
Muss ich in einer Meyhane reservieren? Bei bekannten Adressen wie Münferit, Refik oder Çukur Meyhane sehr zu empfehlen, besonders am Wochenende. Bei einfacheren Lokalen reicht meist spontanes Vorbeikommen.




















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