Arnavutköy Istanbul: 11 Sehenswürdigkeiten am Bosporus

Istanbul wächst jeden Tag ein Stück weiter in den Himmel, und der Beton gewinnt an vielen Ecken die Oberhand. An einem ruhigen Ufer des Bosporus hält sich Arnavutköy trotzdem seit Jahrhunderten seinen eigenen Charakter: schmale Treppengassen, bunte Fassaden und Yalı-Villen, die bis heute vom alten Leben am Wasser erzählen. Dieser Arnavutköy Istanbul Reiseführer stellt 11 Orte und Geschichten vor, die das Viertel zu einem der stillsten Höhepunkte am Bosporus machen.

1. Arnavutköy Istanbul Reiseführer: Perle am Bosporus

Arnavutköy Istanbul Reiseführer: historische Yalı-Villen am Ufer

Von Beşiktaş aus geht es vorbei an Ortaköy und Kuruçeşme. Dann liegt Arnavutköy vor dir. Seine lange Uferpromenade ist voller Fischrestaurants und Cafés. Die alten Holzhäuser, die schmalen, kopfsteingepflasterten Gassen mit Treppen und die bunten Blumen vor den Türen und auf den Balkonen geben dem Viertel fast den Charme einer Stadt aus einem Märchenbuch. Aber eben nur fast. Dazwischen stehen ein paar neuere, weniger gelungene Bauten.

2. Berühmt für seine Yalı-Villen

Historische Yalı-Villa im authentischen Viertel Arnavutköy Istanbul

Arnavutköy liegt am europäischen Ufer des Bosporus, innerhalb der Grenzen von Beşiktaş, und ist für seine traditionsreiche, historische Bausubstanz bekannt. Nicht zu verwechseln ist es mit dem gleichnamigen Stadtbezirk bei Gaziosmanpaşa. Zwischen Kuruçeşme und dem Strand von Bebek liegt das Viertel am Wasser. Bergauf folgen Etiler und Ulus.

Wie Kandilli, Kanlıca und Vaniköy auf der asiatischen Seite hat Arnavutköy seine authentische Struktur bewahrt, und das verdankt es zwei Dingen: seinen Yalı-Villen und den Hügeln dahinter, die noch nicht zubetoniert sind.

3. Das Dorf der Engel

Historischer Standort des sogenannten Dorfs der Engel in Arnavutköy Istanbul

In der Antike hieß der Ort Hestiai. Der Grund: die Kalksteinbrüche ringsum. In byzantinischer Zeit ließ der römische Konsul Promotos hier eine Villa errichten, und so kannte man das Gebiet zunächst als Promotu, ab dem 6. Jahrhundert dann unter einem weiteren Namen, Anaplus. Der Überlieferung zufolge gab es hier zahlreiche Kirchen. Und heilige Quellen. Weil Konstantin angeblich die Mihael-Kirche errichten ließ – in ihr wurde eine Mosaikikone des Erzengels Michael aufbewahrt –, trug das Gebiet auch den Namen „Dorf der Engel“. Ob die Legende stimmt, lässt sich heute kaum noch sagen. Schön ist sie trotzdem.

4. Albanische Janitscharen

Herkunft des Namens Arnavutköy durch albanische Janitscharen in Istanbul

In osmanischer Zeit gehörte das Viertel verwaltungsmäßig zum Kadiamt von Galata. Später, in der Republik, zu Beşiktaş. Anfangs war es nur ein kleines Bosporus-Dorf mit wenigen heiligen Quellen, doch nach der Eroberung Istanbuls siedelten sich hier Janitscharen albanischer Abstammung an – von ihnen stammt der Name Arnavutköy, wörtlich „Albanerdorf“. Der Name ist bis heute geblieben, auch wenn es die Janitscharen längst nicht mehr gibt.

5. Ein berühmtes Ausflugsziel

Hügel von Arnavutköy, einst Ausflugsziel der Osmanen in Istanbul

In byzantinischer Zeit standen hier Weingärten. Unter den Osmanen war der Ort dann, so überraschend es klingt, für seine Erdbeeren bekannt. Die Hügel von Arnavutköy gehörten den Sultanen persönlich und wurden ab dem 16. Jahrhundert als Ausflugsziel mit Weingärten und Gärten berühmt. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts bildeten Griechen und Juden die Mehrheit der Bewohner, und Arnavutköy galt als gepflegtes, lebendiges griechisches Dorf, das man in den späten Jahren des Osmanischen Reichs wegen seiner Tavernen und Vergnügungsstätten auch „Klein-Beyoğlu“ nannte.

6. Weißes Brot, buntes Miteinander

Arnavutköy in der Beschreibung des osmanischen Reisenden Evliya Çelebi

Lange lebten hier vor allem Griechen und Juden. Das änderte sich erst, als unter Sultan Mahmud II. auch Muslime angesiedelt wurden. Ein älteres Zeugnis: Evliya Çelebi. Der osmanische Reisende beschreibt Arnavutköy in seinem Reisebuch (Seyahatname) mit einem Satz, der sich etwa so übersetzen lässt: Sein Brot und sein Gebäck seien weiß, seine Juden geschmackvoll und musikalisch, seine griechischen Christen vom Volk der Lasen, und Muslime gebe es dort nur sehr wenige.

Eine kleine Momentaufnahme – aber sie zeigt gut, wie bunt das Viertel schon vor Jahrhunderten war.

7. Die Straße auf Pfeilern

Veränderung von Arnavutköy nach dem Bau der Pfahlstraße in Istanbul

Heilige Quellen, Weingärten, Landhäuser zwischen den Hainen und eine geschlossene Reihe von Yalı-Villen am Ufer prägten das alte Arnavutköy. Davon ist heute wenig übrig. Nach den 1960er-Jahren war die schmale Straße von Ortaköy nach Arnavutköy dem wachsenden Verkehr nicht mehr gewachsen, also wurde ein großer Teil der Gebäude zur Wasserseite abgerissen, um Platz für die heutige Küstenstraße zu schaffen, auf der seither auch Busse fahren. Gleichzeitig verschwanden viele Holzhäuser, an ihre Stelle traten Betonbauten. Dazu kamen Brände. Und in jüngerer Zeit die fortschreitende Bebauung.

Nach 1980 wurde die Küstenstraße schließlich auf Pfeilern direkt ins Wasser hinein verbreitert – seitdem haben viele der verbliebenen Yalı-Villen den direkten Kontakt zum Meer verloren. Eine Yalı ohne Wasser vor der Tür ist, ehrlich gesagt, nur noch eine halbe Yalı.

8. Die größte Yalı des Viertels

Historische Ayvaz-Paşazade-Yalı in Arnavutköy Istanbul

Neben der natürlichen Lage am Wasser machen vor allem die prachtvollen Yalı-Villen Arnavutköy aus. Die größte davon? Die Ayvaz-Paşazade-Yalı, auch Ali-Vafi-Köşk genannt – und eine der schönsten. 1915 wechselte sie den Besitzer. Der kretische Geschäftsmann Ali Vafi Bey kaufte sie einem armenischen Bankier ab. Zwei große Erker (cihannüma) mit je einem kleineren Erker daneben prägen die Fassade, dahinter liegt der Ali-Vafi-Hain, und auch ein Brand im Jahr 1919 hat dieses Bild nicht für immer ausgelöscht: In den 1980er-Jahren wurde die Yalı originalgetreu wieder aufgebaut.

9. Die Taksiarchis-Kirche

Griechisch-orthodoxe Taksiarchis-Kirche in Arnavutköy Istanbul

Am Satış-Platz von Arnavutköy steht diese griechisch-orthodoxe Kirche, deren heutiges Gebäude zwischen 1896 und 1899 errichtet wurde. Die Geschichte des Ortes ist älter. Schon im 16. Jahrhundert soll die Kirche von wohlhabenden Griechen dem Erzengel Michael gewidmet worden sein, dem eine heilende Wirkung zugeschrieben wurde. Und aus byzantinischer Zeit? Es gibt historische Hinweise auf eine Kirche an dieser Stelle, aber keine erhaltene Inschrift. Das Gebäude wurde mehrfach beschädigt und wieder instand gesetzt. Laut der Bauinschrift geht die heutige Kirche auf Mouzouros Pascha zurück; südlich des Naos liegt eine Familiengrabstätte seiner Angehörigen. Von außen wirkt der quadratische Bau eher schlicht, doch innen überspannt ihn, wie Lisa Morrow auf Inside Out in Istanbul beschreibt, eine Kuppel in tiefem Abendblau mit goldenen Sternen.

10. Die Tevfikiye-Moschee

Historische Tevfikiye-Moschee an der Küstenstraße von Arnavutköy Istanbul

Direkt an der Küstenstraße von Arnavutköy, gleich neben der Polizeiwache, steht die historische Tevfikiye-Moschee aus osmanischer Zeit, auch als Arnavutköy-Moschee oder Akıntıburnu-Moschee bekannt. Das Gebäude gehört der Stiftungsverwaltung Vakıflar. Sein Architekt ist unbekannt. Der Überlieferung nach ließ Sultan Mahmud II. sie im Namen seines Sohnes Şehzade Tevfik errichten – zu einer Zeit, als im Viertel kaum muslimische Bewohner lebten und vor allem die in der Kaserne stationierten muslimischen Soldaten einen Ort zum Beten brauchten. Laut dem Kulturportal der städtischen İBB Kültür A.Ş. begann der Bau 1832, 1838 wurde die Moschee eröffnet.

11. Der bunte Kiosk İzzetabad

İzzetabad-Kasrı, der sogenannte bunte Kiosk, in Arnavutköy Istanbul

Der İzzetabad-Kasrı, im Volksmund auch „bunter Kiosk“ genannt, wurde 1791 auf einer Terrasse in Arnavutköy für Großwesir Hacı Mehmed İzzet Pascha aus Safranbolu errichtet. Sieben Jahre später brannte er. Er wurde wieder aufgebaut, und danach nutzten ihn Sultan Selim III. und Sultan Mahmud II. Unter Sultan Abdülmecid wurde er in den 1840er-Jahren abgerissen und für die Prinzessinnen Feride und Seniye, Enkelinnen Mahmuds II., erneut errichtet. 1968 wurde der Kiosk verkauft. 1975 folgte der Abriss, um Platz für eine Wohnanlage zu schaffen – das damals geänderte Bosporus-Bebauungsgesetz verhinderte das jedoch. Manchmal hilft eben auch Bürokratie. 1989 wechselte das Grundstück erneut den Besitzer, und 1992 entstand der İzzetabad-Kasrı neu: derselbe schlichte, elegante Kiosk, der erstmals 1791 gebaut wurde, prägt seitdem wieder das Bild am Bosporus.

Quellen: Inside Out in Istanbul (Lisa Morrow): Picturesque Arnavutkoy – a village on the Bosphorus, İBB Kültür A.Ş.: Historische Orte zwischen Arnavutköy und Bebek

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