14 Gründe, Kuzguncuk Istanbul Viertel zu lieben

Direkt am Bosporus, unter riesigen Platanen und zwischen duftenden, bunten Blumen liegt eine Ecke Istanbuls, die sich noch wie ein Dorf anfühlt: Kuzguncuk. Einkaufszentren und Glastürme haben so viele andere Viertel verschluckt. Hier nicht. Genau das macht einen Besuch lohnend, und hier sind 14 Gründe, warum das winzige Kuzguncuk Istanbul Viertel auf der asiatischen Seite Besucher immer wieder zurückholt.

1. Kuzguncuk Istanbul Viertel: eine unberührte Ecke

Kuzguncuk Istanbul Viertel: Boote am Ufer des Bosporus

Kuzguncuk zieht sich von den Hügeln Üsküdars hinab zur asiatischen Seite des Bosporus, und während sich die Skyline ringsum verändert hat, hat das Viertel seinen Charakter bewahrt. Keine Hochhäuser, keine Einkaufszentren. Nur ein winziger grüner Winkel, an dem Wasser und Hang sich treffen.

Du kannst von Üsküdar aus der Küste entlang hinunterlaufen oder von Nakkaştepe aus bergab schlendern. Bergab ist schöner. Der Blick öffnet sich dabei nach und nach.

2. Der alte Name bedeutete „Goldene Ziegel“

Alte Holzvillen in einer ruhigen Straße in Kuzguncuk

Eine Überlieferung führt den alten byzantinischen Namen Kuzguncuks, Hrisokeramos oder „Goldene Ziegel“, auf eine Kirche mit vergoldetem Dach zurück, die unter einem byzantinischen Kaiser erbaut worden sein soll. Unter welchem? Da schwanken die Quellen, ebenso bei der Datierung. Eine zweite Theorie besagt, der Name sei eine Verballhornung von „Kosinitza“, einem früheren Namen der Siedlung. Und dann ist da noch Evliya Çelebi. Der osmanische Reisende führt den Namen auf einen lokalen Heiligen namens Kuzgun Baba zurück, der sich hier zur Zeit Mehmeds des Eroberers niedergelassen haben soll. Endgültig durchgesetzt hat sich keine Version. Ehrlich gesagt steht dem Viertel das Rätsel ziemlich gut.

3. Letzte Station vor dem Heiligen Land

Blick auf den Bosporus vom Ufer Kuzguncuks

Kuzguncuk war die erste jüdische Siedlung Istanbuls auf der asiatischen Seite, als jüdisches Dorf belegt schon im 17. Jahrhundert. Wann genau die ersten Familien ankamen, weiß niemand. Europäische Juden sollen das Viertel als letzte Station vor dem Heiligen Land betrachtet haben – wer die Reise aus irgendeinem Grund nicht vollenden konnte, ließ sich zumindest hier nieder und bat darum, hier begraben zu werden.

4. Muezzinruf, Glocken und Kantorengesang mischen sich

Eine Moschee und eine Kirche stehen Seite an Seite in Kuzguncuk

Drei Religionen, vier Gotteshäuser. In Kuzguncuk stehen eine armenische Kirche, eine griechisch-orthodoxe Kirche, eine Moschee und eine Synagoge, alle nur wenige Schritte voneinander entfernt. Seite an Seite ist hier wörtlich zu nehmen. Einheimische erzählen, dass die Kirche nebenan einst einen Teil ihres eigenen Gartens abgab, als für den Moscheebau kein Platz zu finden war – und so wurden diese Gebäude zu einem stillen Symbol der Koexistenz.

5. Fast jede Straße sieht aus wie ein Filmset

Tisch und Stühle vor einem traditionellen Haus in Kuzguncuk

Kuzguncuk liegt in der Nähe der asiatischen Zufahrt zur Bosporus-Brücke, und wer in fast jede Seitenstraße einbiegt, landet sofort in einer Szenerie aus verwitterten Holzhäusern, engen Gassen und Gärten, die über ihre Zäune wuchern. Herausgeputzte Vorzeigegärten sind das nicht. Hier wird wirklich gewohnt: Obstbäume, Rosen und gelegentlich ein Kätzchen, das Hühner jagt. Kein Wunder, dass hier so viele türkische Serien und Filme gedreht wurden – die Straßen liefern die Ausstattung praktisch von selbst. Auch das offizielle Tourismusportal der Türkei, Go Türkiye, führt das Viertel als beliebten Drehort und nennt gleich noch eine zweite Gruppe, die hier gern vor der Kamera steht: Brautpaare beim Fotografieren ihrer Hochzeitsbilder. Geh langsam genug, und irgendeine Großmutter winkt dir von ihrem Gartenstuhl aus zu.

6. Mächtige Platanen spenden überall Schatten

Hohe Platanen spenden alten Villen in Kuzguncuk Schatten

Am Wasser ändert sich die Bauweise. Alte Steinhäuser mit Erkerfenstern stehen dort neben bunt bemalten Holzvillen, und vor vielen von ihnen ragen gewaltige Platanen auf, die einen kühlen, ruhigen Schatten über die Straße werfen.

Und dann der Blick zurück. Vom Ufer aus siehst du bergauf die steilen Gassen und Treppen, die du gerade hinabgekommen bist.

7. Restauriert, aber dem Original treu

Restaurierte historische Villen in Kuzguncuk

Viele der alten Häuser Kuzguncuks wurden sorgfältig restauriert statt von Grund auf neu gebaut, mit steinernen Erdgeschossen, hölzernen Obergeschossen, zwei oder drei Stockwerken, frischem Anstrich und Blumenkästen vor der Tür. Zu ihren Füßen haben kleine Tee-Gärten und Cafés eröffnet. Dort sitzen die Nachbarn zusammen. Tavla, Zeitung, Tee.

8. Die kleinen Ladenbesitzer halten noch durch

Bunte Ladenfronten an einer Wand in Kuzguncuk

Ketten und große Supermärkte: weitgehend Fehlanzeige. Stattdessen gibt es winzige, bunt bemalte Lebensmittelläden und Eckgeschäfte, und setzt du dich kurz vor einen davon, grüßt dich der Ladenbesitzer meist – manchmal winkt er dich sogar zu einem Tee herüber.

Bleibt noch die örtliche Bäckerei. Der Duft von frischem Brot und Simit erledigt den Rest der Überzeugungsarbeit.

9. Freundschaft und Loyalität sitzen hier tief

Ein Schaufenster einer Apotheke in Kuzguncuk

Christen, Juden und Muslime teilen sich dieses Viertel seit Generationen in weitgehender Harmonie, auch wenn Abwanderung die nicht-muslimische Bevölkerung in den letzten Jahrzehnten ausgedünnt hat. Die Älteren bleiben. Ladenbesitzer und Nachbarn mit ihrem unverwechselbaren lokalen Akzent halten bis heute fest an diesem Ort. Jahrelang hatte Kuzguncuk nur einen einzigen Arzt: Dr. Ohannes Minasyan. Er ist längst verstorben. Eine Apotheke an der İcadiye Caddesi soll bis heute einige seiner alten Spritzen und Medikamentenschachteln im Schaufenster bewahren – ein kleines Denkmal für ihn.

10. Seit Generationen Zuhause für Berühmtheiten

Eine gelbe, mit Efeu bewachsene Villa in Kuzguncuk

Wohlhabende alte Istanbuler Familien unterhielten einst Villen und Uferhäuser in Kuzguncuk. Als junger Militärkadett soll Mustafa Kemal Atatürk sieben Jahre lang seine Wochenenden hier verbracht haben, im Haus seines Freundes Ali Fuat Cebesoy. Schriftsteller und Künstler zog es ebenfalls her. Die Dichter Can Yücel und Oktay Rifat lebten hier, der Romancier Rıfat Ilgaz und die Schriftstellerin Sevim Burak ebenso, dazu der Theaterautor Güngör Dilmen und die Schauspieler Uğur Yücel und Hülya Koçyiğit. Für ein Viertel dieser Größe ist das eine erstaunlich lange Liste. Auch das Fernsehen hat das Viertel entdeckt. Die Straßen des Viertels dienten als Drehorte für beliebte türkische Fernsehserien wie Perihan Abla und Ekmek Teknesi.

11. Auch die Literatur kann Kuzguncuk nicht widerstehen

Eine von Villen gesäumte Hangstraße in Kuzguncuk

Die Schriftstellerin Buket Uzuner hat einen Teil ihres Romans Kumral Ada, Mavi Tuna im alten Kuzguncuk angesiedelt – eines der schönsten literarischen Porträts des Viertels. Sie ist nicht die Einzige. Gülsüm Cengiz schrieb über ihre Kindheit hier in Boğazdaki Mutlu Çocuk – Kuzguncuk. Nedret Ebcims Üç Dinin ve Ünlülerin Buluştuğu Semt Kuzguncuk geht noch weiter und versammelt die Geschichte des Viertels zusammen mit Interviews mit Menschen, die hier aufgewachsen sind.

12. Ein Bosporus-Viertel ohne Platanenplatz?

Tee wird am Wasser in Kuzguncuk serviert

Folgst du der İcadiye Caddesi bis zur Paşalimanı Caddesi und überquerst sie zum Wasser hin, öffnet sich zwischen den Uferhäusern ein kleiner Platz: Çınaraltı, auf einer Seite vom Meer, auf der anderen von grünen Platanen umgeben. Daneben liegt eine alte Bäckerei. Heißer Tee, warmer Simit. Und willst du dich lieber abkühlen, gibt es an der gegenüberliegenden Ecke auch ein Eiscafé.

13. Der Ausflug endet mit einem Gruß über das Wasser

Eine Fähre fährt am Bosporus bei Kuzguncuk vorbei

Nimm einen Schluck Tee am Ufer. Grüß die vorbeiziehenden Möwen. Dann geht der Blick über den Bosporus hinweg zum Çırağan-Palast und zum Dolmabahçe-Palast auf der europäischen Seite.

Bleib aber nicht zu lange sitzen. Beylerbeyi, Çengelköy, Kandilli und viele weitere Bosporus-Viertel warten gleich die Küste hinauf.

14. Bonus-Vers: ein Gedicht namens „Kuzguncuk“

Der große türkische Dichter Nazım Hikmet schrieb ein Gedicht mit dem schlichten Titel „Kuzguncuk“. Es ist ein wehmütiges, bildstarkes Stück über eine Pension, die Tochter einer Nachbarin namens Raşel und einen Blick aufs Wasser, den das lyrische Ich nie ganz festhalten kann. Warum gerade dieses Viertel? Die Verbindung ist persönlich. Seine Tante, Sâre Hanım, wurde in Kuzguncuk geboren und wuchs hier auf – ein Grund, warum der Dichter in seinem Werk zu diesem Ort zurückkehrte. (Das Video unten unterlegt ein verwandtes Stück: den Song „Balat“ von İncesaz. Er diente auch als Titelmusik der Fernsehserie Ekmek Teknesi, die teilweise ebenfalls in Kuzguncuk gedreht wurde.)

Das ist Kuzguncuk. Halb Bosporus-Dorf, halb Freiluft-Filmset, und eines der wenigen Istanbuler Viertel, das sich noch so anfühlt, wie es alte Postkarten einmal versprochen haben. Wer wegen der Drehorte kommt, findet sie in fast jeder Seitenstraße; wer der Geschichte der drei Religionen nachspürt, kommt mit den wenigen Schritten zwischen Moschee, Kirchen und Synagoge aus.

Quellen: Kuzguncuk, Wikipedia, Kuzguncuk, Üsküdar, türkische Wikipedia, Kuzguncuk, Go Türkiye

Gönder

Bir yanıt yazın

E-posta adresiniz yayınlanmayacak. Gerekli alanlar * ile işaretlenmişlerdir