Festung Rumeli Hisarı Istanbul: Die Festung am Bosporus

Am europäischen Ufer des Bosporus, dort, wo die Fähre von Sarıyer vorbeifährt, steht eine Festung, die schon vor der Eroberung Istanbuls über den Ausgang der Geschichte mitentschied. Sicher, sie ist ein Fotomotiv mit Blick auf die zweite Bosporusbrücke. Aber die Festung Rumeli Hisarı Istanbul ist mehr als das – sie beweist, wie genau Fatih Sultan Mehmet seinen Plan für die Stadt durchdacht hatte.
1. 1452: Fatih Sultan Mehmet gibt den Bauauftrag
Frühjahr 1452. Am europäischen Ufer des Bosporus lässt der junge Sultan Mehmet II. – später als Fatih Sultan Mehmet, „der Eroberer“, bekannt – mit dem Bau einer Festung beginnen. Es ist der letzte große Schritt vor dem, was ein Jahr später folgt. Die Eroberung Konstantinopels.

2. Eine Festung gegen Angriffe aus dem Norden
Die Lage ist kein Zufall.
Rumeli Hisarı sitzt an der engsten Stelle des Bosporus, genau gegenüber der älteren Festung Anadolu Hisarı auf der asiatischen Seite. Zusammen kontrollieren beide die Wasserstraße vollständig. Hilfe oder Nachschub von Norden – etwa aus dem Schwarzen Meer – sollte so die belagerte Stadt gar nicht erst erreichen.
Vom Deck einer Fähre aus wirken die beiden Anlagen heute eher wie eine Kulisse als wie ein Riegel quer über das Wasser.

3. Der Sultan soll selbst Hand angelegt haben
Der Überlieferung nach soll Mehmet II. während der Bauarbeiten eigenhändig Steine getragen haben, um die Arbeiter anzutreiben. Ob die Anekdote historisch belegt ist? Sicher sagen lässt sich das nicht. Sie kann ebenso gut zur Legendenbildung um den jungen Sultan gehören, wird aber in türkischen Quellen bis heute gerne erzählt.
Die Oberaufsicht über den Bau selbst lag laut den meisten historischen Quellen nicht bei einer Einzelperson, sondern bei drei Wesiren: Çandarlı Halil Pascha, Zağanos Pascha und Sarıca Pascha, von denen jeder einen der großen Türme verantwortete.

4. Tausende Arbeiter, ein enges Zeitfenster
Schon die Zahl der Beteiligten ist umstritten. Türkische Quellen nennen oft eine Zahl um 6.000, die Museumsseite des türkischen Kulturministeriums spricht dagegen von 300 Handwerkern, 700 bis 800 Arbeitern und rund 200 Fuhrleuten, Bootsleuten und Trägern.
Laut derselben Seite begann der Bau im März 1452 und war schon im August abgeschlossen. Nur wenige Monate also. Und die gern zitierten exakt 132 Tage? Die lassen sich in internationalen Quellen nicht eindeutig bestätigen. Belegt ist, dass die Anlage in auffallend kurzer Zeit entstand, damit sie vor dem geplanten Angriff auf Konstantinopel einsatzbereit war.

5. Festung Rumeli Hisarı Istanbul: kluges Kalkül
Unabhängig von der genauen Bauzeit gilt Rumeli Hisarı als eines der klarsten Beispiele für die strategische Weitsicht Fatih Sultan Mehmets. Der Schlüssel war der Bosporus. Wer die Meerenge kontrollierte, konnte Konstantinopel von jeder Unterstützung abschneiden – und genau das gelang dem Sultan, noch bevor die eigentliche Belagerung begann.

6. Die Zahl, die laut Überlieferung „Muhammed“ ergibt
Jetzt wird es kurios. Eine in Istanbul gern wiederholte Deutung besagt, dass Mehmet II. die Bauzeit bewusst auf 132 Tage festgelegt habe, weil diese Zahl nach dem Ebced-System – einer traditionellen Buchstaben-Zahlen-Zuordnung im Arabischen und Osmanischen – dem Namen „Muhammed“ entspricht.
Ein sicherer Beleg für diese Zahlensymbolik fehlt. Sie gehört zu den Legenden, die sich um die Festung ranken – und wird bis heute als Teil ihrer Geschichte weitererzählt.

7. Eine Signatur, die sich nur von oben zeigt
Drei Türme und eine Mauer? Aus der Vogelperspektive zeigt Rumeli Hisarı angeblich mehr als das.
Der Grundriss soll, der Legende nach, zugleich an den Namen des Sultans und an den Propheten Muhammed erinnern – eine Deutung, die sich in mehreren Quellen findet, auch wenn die genaue Lesart variiert.

8. Das Wort „Muhammed“ aus rund 500 Metern Entfernung
Am deutlichsten soll sich das Muster von einem erhöhten Punkt auf der Meeresseite aus zeigen, aus einer Entfernung von rund 500 Metern: Von dort aus lässt sich im Grundriss angeblich das Wort „Muhammed“ in kufischer Schrift erkennen. Auch das ist eher Überlieferung als archäologischer Befund. Für den Besuch ist es ein netter Fakt, ein gesichertes historisches Detail dagegen nicht.

9. Wie der Chronist Enverî die Festung beschrieb
Der osmanische Chronist Enverî beschrieb Rumeli Hisarı in seinem Versepos „Düsturname“ als uneinnehmbare Festung mit zahlreichen mächtigen Kanonen – so wehrhaft, dass ihr laut seinen Zeilen nicht einmal ein Schmetterling entkommen könne, geschweige denn ein Schiff. Zurückhaltung klingt anders. Am Ende kreist auch dieses Lob um den Punkt aus Nummer 2: die Kontrolle über die Meerenge.

Für deinen Besuch: Rumeli Hisarı liegt im Stadtteil Sarıyer und ist mit der Fähre oder dem Bus entlang des europäischen Bosporusufers gut erreichbar. Heute dient die Anlage als Museum und Freiluftbühne für Konzerte und Kunstfestivals – verbinde den Besuch also ruhig mit einem Spaziergang am Ufer. Wer wegen der Geschichte kommt, nimmt sich Zeit für die drei großen Türme der Wesire; wer vor allem ein Foto will, sucht den Blick auf die zweite Bosporusbrücke. An Konzertabenden zählt dann ohnehin die Freiluftbühne.
Quellen: Wikipedia: Rumelihisarı, Vikipedi: Rumeli Hisarı, Kultur- und Tourismusministerium der Türkei: Rumeli-Hisarı-Museum




















Bir yanıt yazın